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"Fällt dir gar nichts an mir auf?"

Es gibt Fragen, auf die sollte ein Mann keine Antwort geben - zumindest nicht ohne Rechtsbeistand. Am besten, er stellt sich tot.



Keine Chance: Ein Mann erkennt Veränderungen nicht. Das hat nichts mit Ignoranz zu tun - es liegt an den Genen. Foto: iStock-Photos

Das Leben könnte so schön sein. Es ist Samstag, die Sonne scheint, der Tag ist dein Freund. Der Biergarten wartet. Müsste nur noch die Liebste das Bad verlassen und es kann losgehen.

Endlich - die Badezimmertür öffnet sich, und dann kommt's: "Fällt dir gar nichts an mir auf?"

Es gibt Momente im Beziehungsleben, die stellen die Partnerschaft auf eine unnötig harte Probe. Genügt es nicht, dass man dieselben Filme mag, sich nicht um die Handcreme streitet und abwechselnd den Müll rausbringt? Nein, sie will es ganz genau wissen.

Und dazu hat sie auch allen Grund. Schließlich hat sie sich nicht nur auf schmerzhafte Weise Beine, Achseln und Bikinizone epilliert, ohne dass er sich jemals gefragt hätte, warum Frauen an diesen Stellen statt Haaren rote Pusteln wachsen.

Auch der Friseurbesuch liegt bereits eine Woche zurück und blieb unkommentiert. Nur die neue Haarfarbe hat eine Reaktion bei ihm ausgelöst - oder zumindest die rötlichen Farbreste im Waschbecken, die ihn zu der Frage veranlassten: "Hast du hier ein Huhn ausgenommen?“

Da steht sie nun, die Hände in die Hüften gestemmt, Erwartung im Gesicht.
In seinem Gesicht: Die totale Leere.

Doch seien wir ehrlich: Selbst wenn sie mit einer Darth-Vader-Maske auf dem Kopf und in Latex-Strumpfhosen einbeinig durch die Wohnung hüpfen würde, wäre seine Antwort dieselbe: "Nö, was denn?“

Ihr Blick immerhin spricht Bände - und diese Sprache versteht auch er: Falsche Antwort.

Hätte er eigentlich wissen müssen. Schon damals, als sie ihn gefragt hatte, was ihm zum Thema Familienplanung einfiele, war "Nö, was denn?“ nicht wirklich gut bei ihr angekommen.

Was meint sie bloß?

Doch er gibt nicht auf. Panisch beginnt er, die Gestalt vor sich abzuscannen: Kopf, Bauch, Beine, Arme - alles noch da. Was zum Teufel meint sie bloß? Lieber Gott, schick mir ein Zeichen! Tut Gott aber nicht. Also fragt er sie: "Gibst du mir einen Tipp?“

Sie schnappt sich das nächste Buch und wirft es ihm an den Kopf.

Er versucht es nochmal, diesmal gründlicher: zwei Augen, eine Nase, ein Mund, zwei Ohren - es hat keinen Sinn, er kommt nicht drauf. Da knallt sie die Türe zu.

"Äh ... das mit dem Biergarten wird dann wohl nichts mehr?“ ruft er fragend hinterher.

Als Antwort fliegt irgendwas gegen die Tür, das ein Fön sein könnte.

Das war's. Der Tag ist gelaufen.

Es ist ein Jammer. Auf diesem Planeten leben noch immer Männer, die glauben, eine vertrottelte Gegenfrage oder ein mitleidserregendes Schulterzucken sei eine echte Option zu einer vernünftigen Antwort.

Und so tappen sie weiter in die Kommunikationsfallen, die der Beziehungsalltag für sie bereithält. Gegen das Schlingen-Wirrwarr weiblicher Denkstrukturen allerdings sind die Fallen eines Grizzly-Jägers Mäusespielzeug.

In ihrer Verzweiflung lassen sich Männer manchmal die skurrilsten Taktiken einfallen. Neulich kam einer mit seiner Frau in eine Boutique - wo doch jeder weiß, dass der Kabinenbereich vermintes Gebiet ist.

Dialog im Kabinenbereich

Um eine Eskalation zu verhindern, wollte er ihr mit Logik beikommen - da kann er es ja gleich mit Humor versuchen!

Sie: "Und?“
Er: "Das ziehst du doch sowieso nicht an.“

Sie: "Du willst dich ja nur vor einer Aussage drücken.“
Er: "Aber nein, ich habe eine Aussage gemacht: So was ziehst du nicht an."

Sie: "Ich habe dich aber nicht gefragt, ob ich das anziehen werde, sondern wie es an mir aussieht."
Er: "Stimmt nicht, du hast gesagt: 'Und?'"

Sie: "Na wenn schon, du weißt genau was ich damit sagen wollte.“
Er: "Ah ja?“

Sie : “Also, wie findest du es?“
Er: "Ich sage dir ja, dass du so was nicht anziehst.“

Sie: "Was soll das heißen? Natürlich ziehe ich es an. Wenn es gut an mir aussieht. So wie du das sagst, klingt es allerdings, als sei ich dafür zu alt.“
Er: "Aber nein, ich finde das keineswegs. Aber ich kenne dich, du ziehst so was nicht an.“

Sie: "Ach, etwa weil ICH finde, ich sei dafür zu alt?"
Er: "So in etwa.“

Sie: "Dann bin also ich das Problem?“
Er: "Immerhin ist es dein Kleid. Außerdem: Sind wir hier in einem Modegeschäft oder im Gerichtssaal?“

Sie: "Dich nehme ich nie wieder zum Shoppen mit!“
Er: "Versprochen?“

Mit einem wütendem Ruck zieht sie den Vorhang ihrer Garderobe zu.
Hätte man da was machen können? Nein.

Mit Diplomatie kommt man hier nicht weiter

Nur ein Narr denkt, er käme mit ein bisschen Diplomatie aus dieser Sache wieder raus. Eher bringt man die Hamas dazu, auf den Gazastreifen zu verzichten.

Manche Männer glauben, ihre Partnerin sei anders als die anderen: unkompliziert. Ein prima Kumpel. Souverän, wenn es um ihre Figur geht. Unbestechlich gegen oberflächliche Komplimente. Das ist Quatsch! Ebenso könnte man glauben, mit dem Weihnachtsmann oder dem Osterhasen verheiratet zu sein.

Egal, zu welcher Bemerkung ein Mann sich versteigt - mit jeder landet er in der Sackgasse.

Sagt er: "Du kannst so was tragen.“
Vermutet sie: "Du meinst, eigentlich wirkt es nuttig, aber zu mir passt es?“

Sagt er: "Macht eine gute Figur!“
Keift sie: "Die ich nur in diesem Kleid habe, oder was?“

Sagt er: "Nimm es doch eine Nummer größer!“
- kann er gleich einpacken

Es gibt ihn, den richtigen Satz

Liebe Männer, hier ein guter Rat: Fragen Sie nicht nach dem warum. Sie haben es mit einer Frau zu tun. Einem Wesen, das in einem Ding steckt, von dem sie sich wünscht, dass es an ihr so gut aussieht wie sie es sich in den Kopf gesetzt hat. Und dafür soll ER sorgen. Ein mieser Job. Dafür sollte man Bundesverdienstkreuze ausgeben oder mindestens einmal jährlich Kuren verschreiben.

Egal wie man es dreht und wendet, man kommt hier nicht weiter.

Was also tun? Tun Sie das richtige! Vermeiden Sie Situationen, in denen es zu unbequemen Fragen kommen könnte.
Halten Sie Monologe übers Wetter, schieben Sie eine Erkältung vor. Notfalls stellen Sie sich tot.

Wenn das alles nichts hilft, kommt er zum Einsatz: Der ultimative Supersatz, den Frauen noch lieber hören als "Ich liebe dich“. Dieser eine Satz wird Sie retten.

Er lautet: "Hast Du abgenommen?“

Er ist die allzeit richtige Antwort auf Fragen wie "Und?" oder "Fällt dir was an mir auf?" Selbst wenn Sie nicht die geringste Ahnung haben, was sie jetzt hören will - damit zaubern sie ein Lächeln auf ihr Gesicht, und alles ist gut.

Immerhin, eine Ausnahme gibt es. Fragt sie: "Wie findest du meinen Po?“
hilft nur noch: rennen.

Dinner am Rande der Beziehungskrise

Sie finden, Essen ist eine sinnliche Angelegenheit? Dann laden Sie sich bloß keine Gäste ein! Das Vorspiel dazu können Sie vergessen.



Wenn Gäste kommen, verwandelt sich die laszive Genießerin in einen vollendeten Spießer. Foto: iStock-Photos

Gestern noch fütterte sie ihn auf dem Boden vor dem Fernseher mit Pizza, leckte seine öligen Finger und schnappte ihm die Olive von der Zungenspitze. Einen Tag später hat sich die laszive Genießerin in einen Gurken schnippelnden, putzenden, fluchenden Derwisch verwandelt.

Was ist passiert? Ein Paar hat ein anderes zum Essen eingeladen.

Eine Freundschaft ist es noch nicht, eher eine Bekanntschaft. Deshalb versichern beide, es handle sich lediglich um ein lockeres Beisammensein: "Nichts Besonderes, nur eine Kleinigkeit und ein Glas Wein. Mehr nicht“. Schließlich will man sich in erster Linie unterhalten.

Prima, so wird's gemacht. Denkt er. Und genau hier scheiden sich die Geister.

In seiner Vorstellung gibt es: Ein paar Nudeln, ein Glas Wein. Mehr nicht.
In ihrer Vorstellung kreisen: Avocado mit Balsamico-Vinaigrette, angewärmter Spargel, umwickelt mit Parmaschinken und Pistazienstreuseln, Lammbraten in Minzsauce, Himbeeren mit Pfeffer und Mango-Eis. Dazu jede Menge Teelichter, Blumen, Musik - das alles soll passend, aber nicht zu gewollt wirken.

Während die weibliche Gastgeber-Hälfte mit einer meterlangen Einkaufsliste in den Biosupermarkt, von dort zum Feinkosthändler und anschließend in einen Ambienteladen flitzt, soll er die Haushaltsliste abarbeiten: Staubsaugen, Altglas wegbringen, Teppichfransen kämmen. Gerade kann er ihr noch hinterherrufen: "Silberbesteck polieren? Ich dachte, wir geben ein Essen und kein Bankett ...“

Im nächsten Moment verlässt ihn die Kraft und er beschließt, erst einmal Zeitung zu lesen. Ist ja noch Zeit bis 20 Uhr.

Er geht joggen, sie hyperventiliert

Inzwischen ist es vier. Er: sitzt auf der Couch und liest den Sportteil. Sie: räumt Einkäufe ein, mariniert das Lamm, hackt Pistazien.
16.30 Uhr. Er: liest den Wirtschaftsteil. Sie: bügelt eine Tischdecke und Stoffservietten.
17 Uhr. Er: liest den Politikteil. Sie: schiebt mit grimmigem Gesichtsausdruck den Lammbraten ins Rohr und lässt betont laut die Klappe zufallen.
17.30 Uhr. Er: liest den Lokalteil. Sie: poliert klirrend das Silber und rubbelt hektisch alte Wachstropfen von den Kerzenleuchtern.
18 Uhr. Er: zappt sich durchs TV-Programm. Sie: saugt demonstrativ um ihn herum.
18.30 Uhr. Er: zieht sich die Joggingschuhe an. Sie: hyperventiliert und will ihn mit dem Tranchiermesser durchbohren.

Er beruhigt sie, indem er ihr versichert, dass er alles im Griff hat und der Tisch bereits gedeckt ist. Sie: wundert sich, gibt aber nach. Bevor er geht, drückt sie ihm den Müll in die Hand und beauftragt ihn, auf dem Rückweg noch Himbeeren und eine Flasche kalten Weißwein zu besorgen.

Als sie in die Küche kommt, sieht sie auf dem Tisch: vier Teller, vier Gabeln, vier Gläser. Sie räumt fluchend alles wieder ab und positioniert mit meditativer Aufmerksamkeit Aromakerzen, bunte Glassteine, große Teller, kleine Teller, tiefe Teller, Servietten und Rosmarinzweige auf der gestärkten Leinentischdecke. Hält Gläser gegens Licht, rückt Besteck für vier Gänge zurecht.

19.30 Uhr: Er kommt vom Joggen zurück, ohne Himbeeren und Wein, dafür mit kaltem Bier. Geht in die Dusche. Sie: versucht vergeblich Rosmarinzweige zu Serviettenringen zu flechten. Zerteilt stattdessen Avocados mit dem Küchenbeil und stellt sich vor, es wäre sein Kopf. Was sie beim Schälen mit dem Spargel anstellt, bekommt er glücklicherweise nicht mit. Dann macht sie Salat, setzt Reis auf und öffnet den Wein.

19.55: Er verlässt gut gelaunt und pfeifend das Bad. Sie, noch ungestylt, aber in einen personifizierten Vorwurf verwandelt, quetscht sich in Bluse, Slip und mit einem Rock unterm Arm an ihm vorbei.

Männer reiben sich nicht

Als es fünf Minuten später läutet, öffnet er völlig entspannt die Wohnungstür, während sie mit einem getuschten und einem ungeschminkten Auge aus dem Bad galoppiert, auf dem Weg zur Diele humpelnd in ihre Schuhe schlüpft und versucht, im Laufschritt den Reißverschluss ihres Rocks zu schließen. Als sie hinter ihm erscheint und sich kurz entschuldigt, sagt er zu den anderen: "Frauen im Bad - wenn sie mal drin sind, kommen sie so schnell nicht mehr raus, hahaha!“.

Dann kommt die Begrüßungszeremonie: Wenn Frauen sich treffen, reiben sie sich gern gegenseitig an den Oberarmen und sagen Sachen wie: "Mensch, du! Alles klar? Geht's dir gut?“ Männer reiben sich nicht. Jedenfalls nicht an anderen Armen. Erstens finden sie sowas albern, zweitens geht es schon allein deshalb nicht, weil ihre Hände in den Hosentaschen stecken. Zu besonderen Anlässen kramt man eine hervor, um dem Gegenüber ordentlich gegen den Oberarm zu boxen. Aber das passt nur, wenn man bereits Brüderschaft getrunken hat oder gemeinsam ein Champions-League-Spiel besucht hat.

Natürlich haben die beiden auch nichts mitgebracht, jedenfalls so gut wie. Will heißen: Die weibliche Hälfte des Paares hat die halbe Stadt nach einem passenden Geschenk durchkämmt, und sein Kommentar dazu lautete: "Ich wusste nicht, dass wir auf eine griechische Hochzeitsfeier eingeladen sind“. Die Beschenkten geben sich hocherfreut, während die Gäste abwinken: "Ist doch nicht der Rede wert!“.

Dann geht es in die Küche, wo der festlich gedeckte Tisch im Kerzenlicht vor sich hin schimmert. Den überraschten Ausruf der Freundin "Wow, esst Ihr immer so?“ übergeht die Gastgeberin mit einem kurzen „Ach, das ging doch ratzfatz!“ Sein süffisantes Grinsen quittiert sie mit einem drohenden Blick.

Ich will einfach nur essen!

Während sie den ersten Gang aufträgt, wird ihm schlagartig bewusst: Bis diese Menüfolge abgearbeitet ist, würde er bereits mit dem Schlaf kämpfen. Wehmütig denkt er an sein Singledasein zurück, als Essen noch seine ursprüngliche Bedeutung hatte: es ging um Nahrungsaufnahme.

Männer können im Stehen essen, mit einem Teller auf dem Schoß, selbst im Liegen. Was Männer nicht können, ist: verstehen, warum sich Frauen freiwillig damit abmühen, ihre Gäste mit leichter Kost in mehreren Schichten satt zu kriegen, wo doch ein handfestes Gericht denselben Effekt hätte. Einmal Schnitzel mit Bratkartoffeln, nach einer Viertelstunde wäre alles erledigt und man könnte sich dem gemütlichen Teil des Abends zuwenden. Leider benötigte man allein für die Vorspeise so viel Geschirr wie für vier Schnitzel.

Für einen kurzen Moment zieht er in Erwägung, die Gäste um Hilfe beim Abwasch zu bitten. Gerade rechtzeitig fällt ihm ein, dass er dann gleich seine Koffer packen könnte. Deshalb tröstet er sich mit der Gewissheit, dass eine Gegeneinladung folgen wird. Die kommt auch prompt: "Das nächste Mal müsst ihr unbedingt zu uns kommen. Aber eins sagen wir euch: wirklich nur eine Kleinigkeit, ja?“

Schon klar.

Die totale VerWIRung

"Uns gibt's nur im Doppelpack!" Mit diesem nervigen Schlachtruf stürzen sich viele Paare in eine Beziehung - und damit in die Isolation.



Wenn einer ohne den anderen nicht leben kann, sollte er es zumindest allein aufs Klo schaffen. Foto: iStock-Photos

Chang Bunker hatte es nicht leicht: Wenn er mal aufs Klo musste, ging sein Bruder Eng mit. Wollte er schlafen, legte sich Eng neben ihn ins Bett. Sogar beim Sex war er dabei - obwohl das Mitte des 19. Jahrhunderts alles andere als normal war. Doch dafür gab es einen trifftigen Grund: Chang und Eng Bunker waren an der Körpermitte zusammengewachsen und galten als jene siamesischen Zwillinge, die dieser Laune der Natur ihren Namen gaben. Umso verwunderlicher ist es, dass es immer wieder Paare gibt, die das Leben siamesischer Zwillinge führen, obwohl ihre Körper gar nicht zusammengewachsen sind. Solche Menschen sagen dann Sätze wie: "Ich bin müde, kommst du?" Man könnte glauben, sie wurden nach der Geburt getrennt, in verschiedene Kontinente geschickt und durch eine wunderbare Fügung des Schicksals wieder vereint. "Nur im Doppelpack!“ steht ihnen auf die Stirn geschrieben. Wenn sie könnten, würden sie ihren Partner ins Büro und aufs Klo mitnehmen - ganz freiwillig. Hätten Chang und Eng die Wahl gehabt, ihr Leben wäre sicher anders verlaufen. Chang hätte nicht immer sonntags in die Kirche gehen müssen, wenn Eng sein Heil im christlichen Glauben suchte. Und Eng wäre vielleicht ein bisschen durch den Park gelaufen, statt neben Chang zu verharren, der seinen Liebeskummer in Alkohol ertränkte. Vielleicht wären sich die beiden an jenem unglückseligen Tag einfach aus dem Weg gegangen, statt sich im Streit krankenhausreif zu prügeln. Da sieht man mal, was dabei herauskommt, wenn man immer aufeinanderhockt! Wenn zwei Menschen eine Partnerschaft eingehen, so tun sie sich in der Regel zusammen, weil sie sich zu zweit besser fühlen als allein. So weit so gut. Doch bei manchen Paaren hat man den Eindruck, sie fühlen sich ohne den anderen geradezu amputiert. Von der Phase der Verliebtheit wollen wir hier gar nicht reden, da sind wir alle nicht normal. Kein zurechnungsfähiger Mensch würde Liebesgrüße an Menschen mit Tiernamen durchs Radio jagen, Annoncen in Babysprache veröffentlichen oder Gedichte schreiben, deren Pathos selbst Rosamunde Pilcher die Tränen in die Augen triebe - von poolplanschenden Politikern auf Mallorca ganz zu schweigen ...

Aber irgendwann sollte das wieder aufhören. Dann ist alles gesagt, geschrieben, gefühlt, das Herz darf sich wieder beruhigen und seinem eigentlichen Job nachgehen: Blut transportieren, mit Sauerstoff anreichern, und sonst nichts.

Bei einigen Paaren jedoch tritt eine Normalität niemals ein. Was nicht bedeutet, dass sie für immer und ewig verliebt bleiben. Sie betreten nur eine vollkommen neue Sphäre: Die Wir-Ebene. Sie sprechen eine Sprache, in der die erste Person Singular abgeschafft wurde: "Wir sind müde“, "Wir haben Hunger“, "Wir mögen keine Shrimps“.

Diese Äußerungen entspringen einer Bewusstseinsebene, die vergleichbar ist mit einem Phantomschmerz: Ein nicht vorhandenes Körperteil sendet Signale, die es gar nicht geben kann. So weiß der eine ganz genau, was gut für den anderen ist, und das ganz ohne dessen Zustimmung: "Du hast genug getrunken, und außerdem rauchen wir nicht mehr, stimmt's?“ oder: "Mensch hab ich einen Hunger. Nimm aber die Pizza mit Schinken, ich mag keine Sardellen“.

Nun geht die Art und Weise, wie zwei ihre Beziehung führen, niemanden etwas an, der nicht Teil dieser Beziehung ist. Doch genau da liegt das Problem: Was tun, wenn man dazu gemacht wird?

Wer hat schon Lust, sich bei einem alten Kumpel auszuheulen, wenn seine neue Flamme danebensitzt und er beteuert: "Du, das geht schon in Ordnung. Wir haben keine Geheimnisse voreinander“. Ist ja beruhigend, denkt man sich. Wenn sie meine Lebensgeschichte bereits kennt, nervt sie mich wenigstens nicht mit Floskeln wie: "Und, was machst du so?“ Mit der Zeit aber fallen einem all die Dinge ein, die man in einem weinseligen Moment ganz im Vertrauen über sich erzählt hat. Und plötzlich kommt ihr nettes Lächeln ziemlich süffisant rüber.

Ebenso ist es nicht leicht, Haltung zu bewahren, wenn die beste Freundin zum Yoga plötzlich mit einem smarten Typen im Schlepptau erscheint, der als "das isser!“ vorgestellt wird und von da an die wöchentliche Zusammenkunft vom Sonnengebet bis zum Om-Singen bereichert.

So mancher Lebensgefährte würde sich lieber totlachen, als Yoga zu machen. Muss man ihn nun jedesmal mitschleppen, nur um zu beweisen, dass die Beziehung intakt ist? Lieber nicht, sonst wäre sie es die längste Zeit gewesen.

Neulich bekannte eine frisch Verliebte im Freundeskreis: "Ich verstehe nicht, was er an dieser Kletterei findet. Da kriegt man doch ganz schwielige Hände von!“ Auf die Idee, es sein zu lassen, käme sie nicht - er kann doch nicht allein. Was, wenn ihr Freund nun auf Pimp-my-Ride-Shows stehen würde?

Gemeinsame Interessen sind eine gute und wichtige Voraussetzung. Keine gute Voraussetzung ist es, seine eigenen Bedürfnisse dabei zu vergessen. Sonst landet man schnell im Partnerlook-Pyjama auf der Zweisitzer-Couch und fragt sich beim Lauschen der Kuschelrock-CD eines Tages: Warum ruft eigentlich keiner mehr an?

Chang und Eng Bunker haben das gut hingekriegt. Sie heirateten die beiden Schwestern Adelaide und Sarah Yates. Weil die Natur sie nun einmal so eng aneinander gebunden hatte, arrangierten sie sich überaus diplomatisch: Mit ihren insgesamt 22 Kindern wohnten sie abwechselnd mal in der Wohnung des einen Ehepaares, mal in der anderen.

(Quelle: sueddeutsche.de)